Als Journalist, Aktivist und Datenschützer beobachte ich mit Sorge die aktuelle Situation rund um das Supportende von Windows 10 am 14. Oktober 2025. Dieser Schritt könnte nicht weniger als ein Weckruf sein – für unsere Sicherheit, unsere Datenhoheit und den Umgang mit digitaler Überwachung.
1. Windows 10 dominiert weiterhin – trotz Supportende
Obwohl Windows 11 weltweit bereits die Nase vorn hat, bleibt Windows 10 in Deutschland führend: Im Juli 2025 lag sein Anteil bei 56,64 %, während Windows 11 lediglich 41,08 % erreichte (heise.de). Installationen, insbesondere im privaten und behördlichen Umfeld, verlangsamen den Migrationsprozess.
Doch ab dem 14. Oktober entfallen sämtliche kostenlosen Sicherheits-Updates (microsoft.com). Zwar existiert für Privatnutzer ein kostenpflichtiges Extended Security Updates (ESU)-Programm, doch der Aufwand – etwa durch kostspielige Abos oder Reward-Punkte – macht es für viele unattraktiv (support.microsoft.com).
2. Sicherheits- und Datenschutzrisiken steigen dramatisch
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt: Ohne regelmäßige Patches öffnen Windows-10-Systeme Angreifern Tür und Tor. Schadsoftware, Ransomware und gezielte Cyberangriffe drohen – besonders, weil viele Systeme in Unternehmen und Behörden betroffen sind (heise.de, groepper-it.de, storage-insider.de).
Darüber hinaus kann die Nutzung unsicherer Systeme Datenschutzauflagen gefährden. Ein Verstoß gegen Art. 32 DSGVO ist denkbar – und könnte für Verantwortliche hohe Bußgelder und persönliche Haftung bedeuten (groepper-it.de).
3. Online-Überwachung und digitale Souveränität unter Druck
Ohne Patches bleiben kritische Schwachstellen offen. Überwachungstechnologien, Malware oder gezielte Spionage – sie alle profitieren von ungeschützten Systemen. Digitale Selbstbestimmung wird so untergraben: Nutzende sind angreifbar, ihre Daten verlierbar, ihre Kontrolle eingeschränkt.
Das BSI rät dringend zum Wechsel auf ein sicheres OS – etwa Windows 11 oder Linux-Distributionen – und empfiehlt mindestens eine Datensicherung im Vorfeld (heise.de, itsicherheit-online.com). Diese Umstellung ist nicht nur technischer Natur, sondern eine politische Entscheidung für Datensouveränität.
4. Warum greift das BSI nicht früher durch?
Das BSI warnt – aber kann nicht erzwingen. Sein Handlungsspielraum ist begrenzt: Es kann informieren, sensibilisieren und Empfehlungen aussprechen, doch keine Nutzung verbieten. Hier zeigt sich ein strukturelles Dilemma: Digitale Sicherheit ist von individuellen Entscheidungen abhängig.
Aus dieser Situation ergibt sich ein weitreichender Befund: Über digitale Souveränität darf nicht nur diskutiert werden – sie muss gesetzlich, technisch und gesellschaftlich erzwingbar werden.
Deutschland steht an einem Scheideweg. Das Supportende für Windows 10 ist mehr als ein Epochenklaus – es ist ein Mahnmal. Wer weiterhin auf veraltete, unsichere Systeme setzt, riskiert nicht nur die digitale Infrastruktur, sondern auch seine Daten, Privatsphäre und Freiheitsräume.
Ein umgehender Umstieg auf sichere, unterstützte Systeme ist kein Luxus – er ist notwendig. Und ein klarer Appell an Politik, Behörden und jeden Einzelnen: Digitale Souveränität ist kein Nice-to-have – sondern Voraussetzung für eine freie, sichere Gesellschaft.
Quellen:
- https://www.heise.de/news/Trotz-Support-Ende-Windows-10-Installationen-bleiben-Mehrheit-in-Deutschland-10510566.html
- https://www.microsoft.com/de-de/windows/end-of-support
- https://support.microsoft.com/de-de/windows/der-%C3%BCbergang-zu-einer-neuen-%C3%A4ra-des-computings-235e9399-a563-40f8-be4f-fbe109be74c8
- https://www.heise.de/news/BSI-mahnt-Windows-10-wird-unsicher-rascher-Wechsel-noetig-10486622.html
- https://groepper-it.de/bsi-warnung-windows-10-supportende/
- https://www.storage-insider.de/bsi-warnt-vor-sicherheitsrisiken-nach-windows-10-supportende-a-2893f7ba7548b34499bb7de3c822ce4e/
- https://www.itsicherheit-online.com/news/security-management/bsi-empfiehlt-abschied-von-windows-10/