Schleswig-Holstein Open Source
Am 17. April 2025 wurde bekannt gegeben, dass das Bundesland Schleswig-Holstein einen bedeutenden Schritt in Richtung digitaler Unabhängigkeit unternimmt. Die Landesregierung plant, Microsoft-Produkte in der Verwaltung durch Open-Source-Lösungen zu ersetzen. Dieser Schritt zielt darauf ab, die digitale Souveränität des Landes zu stärken und langfristig Kosten zu senken.
Der Weg zur digitalen Unabhängigkeit
Die Umstellung erfolgt in mehreren Etappen:
- LibreOffice statt Microsoft Office: Bis Herbst 2025 soll LibreOffice flächendeckend eingeführt werden.
- Thunderbird & Open-Xchange statt Microsoft Exchange: Auch die E-Mail-Kommunikation wird auf freie Alternativen umgestellt.
- Linux statt Windows: Langfristig soll das Betriebssystem durch eine Linux-Distribution ersetzt werden.
Die Initiative wurde ursprünglich von Jan Philipp Albrecht (Grüne) angestoßen und wird nun durch CDU-Digitalminister Dirk Schrödter konsequent weitergeführt.
Quelle: heise.de
Warum dieser Schritt wichtig ist
Der Schritt hin zu Open Source ist ein Signal in Richtung Transparenz, Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit:
- Kostenersparnis: Keine Lizenzkosten, geringere Abhängigkeit von Update-Zyklen und verlängerte Hardware-Nutzungsdauer.
- Digitale Souveränität: Die Hoheit über Daten und IT-Infrastruktur liegt wieder beim Staat – nicht bei US-Konzernen.
- Sicherheit & Kontrolle: Durch offenen Quellcode können Sicherheitslücken schneller erkannt und behoben werden.
Der Mahnruf aus München
Ein warnendes Beispiel bleibt jedoch das Projekt LiMux in München. Dort hatte die Stadtverwaltung frühzeitig auf Linux umgestellt – nur um Jahre später, nach massivem Lobbydruck von Microsoft und politischem Kurswechsel, wieder zurückzurudern.
- Microsoft habe laut dem damaligen OB Christian Ude “jede Form der Seelenmassage” betrieben.
- Trotz nachgewiesener Einsparungen von über 11 Millionen Euro wurde das Projekt rückabgewickelt.
Quelle: derStandard.de
Die Lehre: Technische Argumente allein reichen nicht – es braucht politischen Rückhalt, langfristige Planung und den Willen zum Wandel.
Fazit
Schleswig-Holsteins Entscheidung ist ein mutiger und richtiger Schritt. Open Source stärkt die Eigenständigkeit staatlicher IT und reduziert langfristig Abhängigkeiten von Großkonzernen. Doch der Weg ist steinig – wie München zeigt, darf man den Einfluss großer Lobbys nicht unterschätzen.
„Digitale Souveränität beginnt mit der Kontrolle über die eigenen Systeme.“
👉 Originalartikel im Verbraucherschutzforum Berlin
Siehe auch
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