
Kontrolle über die eigenen Daten – auch im Job
In einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt werden täglich personenbezogene Daten verarbeitet: Leistungsbewertungen, Krankmeldungen, Kommunikationsverläufe oder Verhaltensanalysen. Doch was passiert mit all diesen Daten? Wer hat Zugriff? Und vor allem: Welche Rechte habe ich als Arbeitnehmer?
Ein starkes Werkzeug steht jedem Beschäftigten zur Verfügung – das Auskunftsersuchen nach Art. 15 DSGVO. Was viele nicht wissen: Es geht dabei nicht nur um oberflächliche Informationen. Eine vollständige Auskunft umfasst weit mehr als ein paar Datenkategorien.
Die rechtliche Grundlage
DSGVO – Artikel 15
Dieser Artikel garantiert jeder betroffenen Person das Recht zu erfahren:
- welche personenbezogenen Daten über sie gespeichert sind,
- woher diese stammen,
- an wen sie weitergegeben wurden,
- zu welchem Zweck sie verarbeitet werden,
- wie lange sie gespeichert werden.
Der Anspruch ist umfassend und nicht an Bedingungen geknüpft.
In Deutschland ergänzt das Bundesdatenschutzgesetz diesen Anspruch im Kontext des öffentlichen Dienstes. Es konkretisiert, dass auch Beschäftigte umfassende Einsicht erhalten können – inklusive Aktenkopien, sofern dies verhältnismäßig ist.
Was eine vollständige Auskunft bedeutet
Ein Unternehmen oder eine Behörde muss auf Anfrage alle personenbezogenen Daten offenlegen, die in irgendeiner Form verarbeitet werden. Dazu gehören insbesondere:
- Personalakten (digital und analog),
- dienstlicher E-Mail-Verkehr, wenn personenbezogen,
- Leistungsbeurteilungen und Gesprächsvermerke,
- automatisierte Analysen, falls vorhanden.
Wichtig: Auch interne Vermerke, wenn sie eine Bewertung oder Einschätzung über die betroffene Person enthalten, fallen unter die Auskunftspflicht.
Die Auskunft muss kostenlos und in verständlicher Sprache erteilt werden – bevorzugt elektronisch, aber auf Wunsch auch schriftlich.
Der Ablauf eines Auskunftsersuchens
-
Antrag stellen
Per E-Mail oder Brief. Es genügt ein einfacher Satz:
„Hiermit beantrage ich Auskunft nach Art. 15 DSGVO über alle zu meiner Person verarbeiteten Daten.“ -
Frist beachten
Die verantwortliche Stelle hat einen Monat Zeit zu antworten. Nur in Ausnahmefällen (z. B. viele Anfragen gleichzeitig) darf die Frist um weitere zwei Monate verlängert werden – dies muss aber begründet werden. -
Dokumentation
Die Antwort sollte enthalten:- eine vollständige Datenübersicht,
- alle verfügbaren Metadaten,
- Angaben zu Datenquellen,
- Informationen über Weitergaben an Dritte.
-
Recht auf Kopien
Auf Verlangen müssen auch Kopien der gespeicherten Dokumente zur Verfügung gestellt werden – insbesondere bei Bewerbungen, Beurteilungen oder disziplinarischen Maßnahmen.
Was, wenn die Auskunft verweigert wird?
Keine Auskunft ohne Grund. Wird der Antrag abgelehnt, muss dies schriftlich mit rechtlicher Begründung erfolgen. Als Antragsteller hat man das Recht auf:
- Widerspruch gegenüber der verantwortlichen Stelle,
- Beschwerde bei der zuständigen Datenschutzaufsicht (z. B. BfDI),
- ggf. gerichtliche Geltendmachung.
Selbst wenn Teile geschwärzt werden müssen (z. B. Schutz von Kollegen), bleibt der Kernanspruch bestehen.
Das Auskunftsrecht nach DSGVO und BDSG ist mehr als ein formales Recht. Es ist ein demokratisches Kontrollinstrument. Es ermöglicht jedem Beschäftigten Transparenz – nicht als Gnade, sondern als rechtlich gesicherter Anspruch. Wer seine Rechte kennt, schützt nicht nur sich selbst, sondern stärkt auch die Integrität der Arbeitswelt.
Weiterführende Informationen
- BfDI – Stellungnahme zur Auskunft im Beschäftigtendatenschutz (PDF)
- DSGVO – Volltext bei dejure.org
- BDSG – § 110 bei gesetze-im-internet.de
- Mustertext für ein Auskunftsersuchen (PDF)
Siehe auch
- 324.000 Euro für nichts: Hannovers Microsoft-Desaster und das systematische Versagen beim Datenschutz
- Angriff auf den Datenschutz: Wie NRW-Ministerpräsident Wüst nach dem Microsoft-Deal die unabhängige Aufsicht beseitigen will
- Datenschutz ist ein Grundrecht – Warum diese Wahrheit so oft geleugnet wird
- Die DSGVO als Reaktion auf Snowden: Eine Theorie über symbolische Datensouveränität und ihre Grenzen
- Datenschutz-Erfolg gegen Microsoft: Warum Deutschland diesem Beispiel folgen sollte