Big Brother Awards: Wenn Datenschutz an Schulen versagt

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Big Brother Awards: Wenn Datenschutz an Schulen versagt

Big Brother Awards: Wenn Datenschutz an Schulen versagt

Der Big Brother Award wurde auch in diesem Jahr wieder an Institutionen verliehen, die mit Daten besonders sorglos umgehen.
Ein Beitrag des WDR zeigt dabei besonders eindrücklich, wo das Problem beginnt – in unseren Schulen.

Ein junger Lehrer aus Ostwestfalen-Lippe berichtet in dem Beitrag offen über die digitalen Zustände an seiner Schule: alte Windows-7-Rechner, Apple-iPads mit zweifelhaften Konfigurationen und fehlende Unterstützung bei technischen Problemen.
Er sagt, was viele denken, aber kaum einer ausspricht: „Wir brauchen Hilfe. Lehrkräfte können nicht gleichzeitig unterrichten und IT-Administration übernehmen.“

Digital, aber ohne Plan?

NRW hat in den letzten Jahren versucht, auf die digitale Schieflage an Schulen zu reagieren.
So wurden neue Stellen geschaffen – sogenannte Schulverwaltungsassistenten (Technik) –, die eigentlich genau dafür da sein sollten: Lehrkräfte technisch zu entlasten und Datenschutzprobleme zu erkennen.

Im ersten Bewerbungsdurchlauf waren die Anforderungen hoch: ein abgeschlossenes IT-Studium oder eine anerkannte Ausbildung im Bereich Systemadministration.
Doch dann wurde es still. Laut Recherchen aus dem Umfeld mehrerer Bezirksregierungen wurden einige dieser Mitarbeiter unter vollen Bezügen freigestellt – nicht etwa, weil sie versagt hätten, sondern weil sie ihre Arbeit zu gut gemacht haben.

Unbequeme Wahrheiten

Nach Informationen, die uns vorliegen, fanden diese Assistenten in kurzer Zeit eine Vielzahl von Missständen:

  • unlizenzierte oder veraltete Windows-Systeme, teils noch mit Windows 7,
  • ungesicherte Schulserver mit personenbezogenen Schülerdaten,
  • Microsoft 365-Umgebungen, die gegen Datenschutzrecht der DSGVO verstoßen,
  • Apple iPads, die zentral über US-Server verwaltet werden, obwohl das laut LDI NRW datenschutzrechtlich unzulässig ist.

Diese Funde waren offenbar so brisant, dass man die Verantwortlichen lieber versetzte oder freistellte, anstatt die Probleme offen anzusprechen.
Ein bedrückendes Bild – besonders in einem Bundesland, das sich gern als digitaler Vorreiter präsentiert.

Die Apple-iPad-Problematik

Der WDR-Bericht greift auch das Thema iPads an Schulen auf.
Während die Geräte als „einfach und sicher“ verkauft werden, bedeutet ihre Verwaltung über Apple School Manager und US-Cloud-Dienste in Wahrheit, dass Schüler- und Lehrerdaten außerhalb der EU verarbeitet werden.

Die Landesdatenschutzbeauftragte NRW hatte bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass der Einsatz solcher Systeme ohne klare Rechtsgrundlage problematisch ist – geändert hat sich bis heute wenig.

Wenn Helfer zu Störfaktoren werden

Das eigentlich Erschreckende: Diejenigen, die auf die Probleme hinweisen, werden nicht unterstützt, sondern ausgebremst.
Es entsteht der Eindruck, dass Datenschutz in Schulen nicht erwünscht ist, sobald er unbequem wird.
Man will den Schein der Digitalisierung wahren, selbst wenn der Preis die Privatsphäre unserer Kinder ist.

Was der WDR jetzt tun sollte

Der WDR hat mit seinem Beitrag den Finger in die Wunde gelegt – aber er kratzt nur an der Oberfläche.
Hier steckt weit mehr: ein strukturelles Versagen in Verwaltung und Politik.
Ein Rechercheprojekt über den tatsächlichen Zustand der IT an Schulen in NRW – von unsicheren Servern über Microsoft 365 bis zu den internen Abläufen in den Bezirksregierungen – wäre überfällig.

Denn die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, wie fahrlässig mit den Daten von Schülern und Lehrkräften umgegangen wird wenn fehlerhafte Soft oder Hardware zum Einsatz kommt


Quellen

Siehe auch