Es gibt Momente, in denen ein politisches System sich selbst entlarvt – nicht durch einen einzelnen Skandal, sondern durch die schiere Selbstverständlichkeit, mit der es Rechtsbruch zur Normalität erklärt. Ein solcher Moment ist gerade eingetreten. Am Freitag, den 13. Juni 2026, ist Section 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) ausgelaufen. Die gesetzliche Grundlage für wesentliche Teile der digitalen Massenüberwachung durch US-Geheimdienste existiert damit formal nicht mehr. Die Überwachung läuft trotzdem weiter. Und Washington zuckt mit den Schultern.
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Hier finden Sie eine Sammlung an Artikeln und Berichten zum Thema Datenschutz. Vorzugsweise schreibe ich hier als Pressevertreter im Bereich Software im öffentlichen Dienst. Das vermeindliche Grundrecht auf Datenschutz und über die Wirungen von Close Source Software im behördlichen Einsatz.
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„In Zeiten universeller Täuschung wird das Aussprechen der Wahrheit zum revolutionären Akt.“ George Orwell, Schriftsteller
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Sachsen auf dem Weg zum Überwachungsstaat: CDU, SPD und BSW ebnen den Weg
Es passiert gerade vor unseren Augen, und die meisten schauen weg. In Sachsen haben sich CDU, SPD und BSW auf eine Novelle des Polizeivollzugsdienstgesetzes (SächsPVDG) geeinigt, die das Freistaat zu einem der am weitesten ausgebauten Überwachungsstaaten Deutschlands machen würde. Gleichzeitig legt die SPD-Bundestagsfraktion ein „Impulspapier" vor, das weniger Datenschutz für mehr Wirtschaftswachstum fordert. Zwei Entwicklungen, eine Richtung: weg von der Freiheit, hin zur totalen Kontrolle.
Hacken, Scannen, Durchleuchten – das neue sächsische Polizeirecht
Was CDU-Innenminister Armin Schuster da in Dresden durchgedrückt hat, ist kein normales Polizeigesetz mehr. Es ist ein Werkzeugkasten für den Überwachungsstaat. Laut einem Bericht von netzpolitik.org beinhaltet der Einigungsentwurf von BSW, CDU und SPD unter anderem folgende Befugnisse:
[Mehr]Schweigen ist kein Schutz: Warum die EU dringend von Whistleblowern hören muss
Die Europäische Kommission führt derzeit eine Evaluation der Hinweisgeberschutz-Richtlinie durch. Bis zum 17. Dezember 2025 muss die Kommission dem Parlament und dem Rat einen Bericht vorlegen, der die Auswirkungen der von den Mitgliedstaaten zur Umsetzung ergriffenen Maßnahmen bewertet. Diese Evaluation ist kein bürokratischer Formalismus. Sie ist eine historische Chance – und gleichzeitig ein dringend notwendiger Realitätscheck.
Denn während auf dem Papier ein europäischer Schutzrahmen für Whistleblower existiert, sieht die Realität in den Mitgliedstaaten oft ganz anders aus. Repressalien, Karrierevernichtung, soziale Isolation – wer in Europa Missstände meldet, riskiert nach wie vor alles. Die Frage ist: Will die EU das wirklich wissen? Oder soll die Evaluation zur Schönfärbungs-Veranstaltung verkommen?
[Mehr]Drei Jahre Geduld, 500 Millisekunden Verzögerung: Die XZ-Backdoor und was sie über digitale Sicherheit verrät
“Most of us would have blamed the network, rebooted something, and moved on with our day. He didn’t.”
Am 29. März 2024 veröffentlichte Andres Freund, ein Microsoft-Entwickler und PostgreSQL-Contributor, eine E-Mail auf der Openwall-Mailingliste, die die Open-Source-Community in Aufruhr versetzte. Der Betreff: “backdoor in upstream xz/liblzma leading to ssh server compromise”. Was als routinemäßige Performancemessung begann, endete mit der Entdeckung einer der raffiniertesten Backdoors, die jemals in Open-Source-Software eingeschleust wurden.
Die Schwachstelle CVE-2024-3094 erhielt den maximalen CVSS-Score von 10.0 – kritisch im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wäre sie nicht entdeckt worden, hätte ein unbekannter Angreifer potenziell Zugriff auf Millionen von Servern weltweit gehabt. Ein Video auf YouTube erklärt die technischen Details anschaulich – doch die eigentliche Geschichte ist weitaus erschreckender.
[Mehr]Wie Israel Teherans Überwachungskameras hackte – und warum Europa sich das nicht leisten kann
“Wir kannten Teheran, als wäre es Jerusalem.” Mit diesen Worten beschrieb ein israelischer Geheimdienstoffizier gegenüber der Financial Times, wie Israel jahrelang das Leben in der iranischen Hauptstadt überwachte. Nicht durch Agenten auf der Straße. Nicht durch menschliche Quellen. Sondern durch Verkehrskameras.
Am 28. Februar 2026 wurde der iranische Oberste Führer Ali Khamenei bei einem gezielten Luftangriff getötet. Dieser Schlag war das Ergebnis einer jahrelangen digitalen Infiltration – einer Infiltration, die zeigt, wie verwundbar moderne Staaten geworden sind. Und die Europa eine dringliche Frage stellen sollte: Sind wir die Nächsten?
[Mehr]Vier Jahrzehnte strukturelle Überwachung: Warum die Microsoft-365-Problematik keine Trump-Erfindung ist
Es ist ausdrücklich zu begrüßen, dass große europäische Leitmedien sich der Thematik rund um Microsoft 365, Cloud-Infrastrukturen und digitale Souveränität widmen. Eine faktenbasierte Auseinandersetzung ist überfällig. Allerdings greift es zu kurz, aktuelle Risiken primär oder gar ausschließlich mit einem neu gewählten US-Präsidenten zu verknüpfen. Die strukturellen Probleme bestehen seit Jahrzehnten – unabhängig von parteipolitischen Konstellationen.
Eine nüchterne chronologische Betrachtung zeigt dies deutlich. Das kürzlich auf YouTube veröffentlichte Video zu Microsoft 365 und digitaler Souveränität verdeutlicht diese Zusammenhänge anschaulich. Doch um die Tragweite zu verstehen, müssen wir vier Jahrzehnte zurückblicken.
[Mehr]Digitale Geiselhaft: Wie die Politik Deutschland und Europa wissentlich in die Abhängigkeit trieb

Der Moment der Wahrheit
Europa kann oder möchte den Stecker zu den USA nicht ziehen. So lautet das ernüchternde Fazit einer aktuellen Umfrage unter den 27 EU-Regierungen. Finnland hat kürzlich das Szenario eines amerikanischen “Kill Switches” simuliert – die gezielte Abschaltung kritischer Dienste durch US-Behörden. Das Ergebnis: Die Auswirkungen wären “weitreichend”. Lettland und Litauen gestehen offen ein, ohne Microsoft, Amazon und Google kaum funktionieren zu können.
Das ist kein Unfall. Das ist kein Naturereignis. Das ist das Ergebnis von jahrzehntelangem politischem Versagen. Schlimmer noch: Es ist das Ergebnis bewusster politischer Entscheidungen, die Europa systematisch in diese Abhängigkeit getrieben haben.
[Mehr]Angriff auf den Datenschutz: Wie NRW-Ministerpräsident Wüst nach dem Microsoft-Deal die unabhängige Aufsicht beseitigen will

Der perfekte Zeitpunkt für einen politischen Angriff
Es gibt Zufälle, die keine sind. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst treibt seit Monaten eine enge Zusammenarbeit mit Microsoft im Bildungsbereich voran. Milliarden fließen an den US-Konzern, Tausende Lehrkräfte sollen mit Microsoft-Produkten geschult werden, Schulkinder werden systematisch an eine Plattform gewöhnt, die nach Einschätzung von Datenschutzbehörden gegen geltendes Recht verstößt. Die unabhängige Landesdatenschutzbeauftragte Bettina Gayk kritisiert diese Entwicklung scharf – und wird prompt zur Zielscheibe.
[Mehr]Datenschutz ist ein Grundrecht – Warum diese Wahrheit so oft geleugnet wird

Eine weit verbreitete Falschbehauptung
In Diskussionen über Datenschutz fällt immer wieder ein Satz, der so selbstsicher wie falsch ist: “Datenschutz ist doch gar kein Grundrecht!” Diese Behauptung wird in Kommentarspalten, Podiumsdiskussionen und sogar in juristischen Debatten vorgebracht – meist von Menschen, die entweder die rechtlichen Grundlagen nicht kennen oder bewusst verschleiern wollen, welchen verfassungsrechtlichen Rang der Schutz personenbezogener Daten tatsächlich hat.
Die Wahrheit ist eine andere: Datenschutz ist sehr wohl ein Grundrecht. Und zwar auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Diese Tatsache ist nicht nur juristisch eindeutig belegt, sondern bildet das Fundament unserer gesamten Datenschutzgesetzgebung. Wer das bestreitet, stellt sich gegen vier Jahrzehnte Rechtsprechung, gegen europäisches Verfassungsrecht und gegen die ausdrücklichen Feststellungen höchster Gerichte.
[Mehr]Die DSGVO als Reaktion auf Snowden: Eine Theorie über symbolische Datensouveränität und ihre Grenzen

Eine Theorie der symbolischen Gegenwehr
Im Juni 2013 erschütterte Edward Snowden mit seinen Enthüllungen das Fundament des digitalen Vertrauens. Was folgte, war nicht nur ein politischer Skandal, sondern ein tektonisches Beben im Verhältnis zwischen Bürgern, Staaten und Technologiekonzernen. Die Reaktion der Europäischen Union ließ nicht lange auf sich warten: Die Datenschutz-Grundverordnung wurde mit neuem Nachdruck vorangetrieben und 2018 in Kraft gesetzt. Doch war diese Reaktion mehr als ein symbolischer Akt? Diese Analyse untersucht die These, dass die DSGVO zwar eine direkte Antwort auf die Snowden-Enthüllungen darstellt, ihre Wirksamkeit gegen globale Überwachung jedoch von Anfang an strukturell begrenzt war.
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